„Wenn wir uns wieder sehen schreien wir uns wieder an“ von Die Höchste Eisenbahn: Zermürbte Poesie
Einst hat das Songwriter-Kollektiv dem Deutschpop den Spaß zurückgebracht. Doch auch Die Höchste Eisenbahn leidet unter der Gegenwart.

Wie sehr die Welt am Arsch ist, wissen wir durch den täglichen Nachrichtenkonsum – oder dadurch, dass wir die Höchste Eisenbahn hören. Hat sich das Berliner Quartett schon auf der Vorgängerplatte „Ich glaub dir alles“ zerknirscht gezeigt, sind sie nun bis auf die Knochen zermürbt. „Wenn wir uns wieder sehen schreien wir uns wieder an“ sagt als Titel schon alles: Streit, Zerwürfnis, keine Aussicht auf Versöhnung. Dabei hat das zauselige Kollektiv um die Songwriter-Barden Francesco Wilking und Moritz Krämer einst den deutschsprachigen Pop vor spaßbefreiter Langeweile gerettet. Wo Erdmöbel mit verkopften Texten unterhielten, haben uns die Höchste Eisenbahn einfach schwofend an die Hand genommen.
Nun gibt es neben dem Sound eines verzweifelten Alleinunterhalters vor allem Frust: Freundschaften, die nur außerhalb der geregelten Arbeitszeiten stattfinden; Beziehungen, die von Misstrauen und Ablehnung geprägt sind, und selbst die Burt-Bacharach-Nummern wie „Jeder hat was zu verlieren“ oder „Wir machen uns fertig“ leiden an Vereinzelung. Wer die Höchste Eisenbahn einst wegen ihrer Bereitschaft zum kindlichen Rausch gefeiert hat, will sie jetzt nur noch vor der Depression bewahren und schützend in den Arm nehmen.
Musik


Jigitz beweist mit 50 Ballerinas: Electro kann auch zart sein
- Tourneen

Fluppe auf Tour: Mit Poesie Richtung Weltuntergang
Hörenswert

Shinier World Tour: Art Garfunkel kommt nach Hamburg
Im Rahmen seiner Shinier World Tour ist Musiklegende Art Garfunkel auf Welttournee. Im Oktober spielt er in der Elbphilharmonie.

Dad Harmony: Schwedische A-cappella-Väter auf Tour
Es begann auf einem Junggesellenabschied, heute haben Dad Harmony Fans auf der ganzen Welt. Jetzt kommen die Schweden nach Deutschland.

Fast am Altar: Blondshells Fur Elise
Manchmal ist die schönste Metapher eine, die eigentlich gar nicht passt. Mit „Fur Elise“ veröffentlicht Blondshell alias Sabrina Teitelbaum einen Song, der klingt wie die vorletzte Szene eines Coming-of-Age-Films.