Confusion is next – die Nullerjahre von Jens Balzer
Übernimmt sich Jens Balzer, wenn er die Nullerjahre in weniger als 300 Seiten zusammenfasst?

Nach den 80ern und 90ern widmet Jens Balzer nun auch den Nullerjahren ein eigenes Buch. Womöglich hat er sich damit ein wenig übernommen: Ein ganzes Jahrzehnt – noch dazu in einer zunehmend vernetzten und komplexen Welt – auf weniger als 300 Seiten zusammenzufassen und dabei sowohl deutsche Popkultur als auch globale Erschütterungen mitzunehmen, sorgt erzwungenermaßen für viele Leerstellen und ein gewisses Ungleichgewicht. Ob der „Bionade-Biedermeier“ wirklich ein ebenso langes Kapitel verdient hat wie 9/11 oder das iPhone, ist fraglich – zugleich macht dieser maximalistische Ansatz auch den Reiz von „Confusion is next“ aus.
Eine zentrale These, die die ganze Dekade erklärt, bleibt am Ende aus, wäre aber wohl auch unmöglich zu finden. Doch Balzer hat durchaus einige hellsichtige, interessante, teilweise auch kontroverse Takes zu bieten: unter anderem seine Analyse, inwiefern Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus des Gangsta-Raps dem Rechtsruck den Weg geebnet haben, oder die Ausbreitung von Peter Thiels Anfängen als Tolkien-Nerd. Am spannendsten und zugleich deprimierendsten allerdings ist seine These, dass die Bankenrettung von 2008 den Kapitalismus endgültig zum Sieger über die Demokratie gemacht hat.
Wer sich für das Buch von Jens Balzer interessiert, sollte auch unsere Rezension zu „Kein Bock Club“ von Maria Popov lesen
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