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„Der Ozean so wild und weit“ von Malachy Tallack

Buchcover „Der Ozean so wild und weit“ von Malachy Tallack

Schafe, Whisky, hargesottene Hühnen … Der Roman „Der Ozean so weit und wild“ von Malachy Tallack scheut viele erwartbare Bilder nicht, traut sich aber auch die Frage: Was, wenn Schotten Gefühle hätten?

Schafe, Whisky und hartgesottene Hühnen, mit einem Innenleben so karg wie die Insel, auf der sie leben: Denkt man an Shetland, denkt man an das (und vielleicht noch an den gnadenlos brausenden Atlantik ringsum). Auch „Der Ozean so wild und weit“ von Malachy Tallack scheut viele erwartbaren Bilder nicht, traut sich darüber hinaus aber die Frage: Was, wenn Schotten Gefühle hätten? 1957: Sonny verdient sich seinen Lebensunterhalt auf einem Walfangschiff im Südatlantik. Der Alltag auf dem Ozean ist rau, er lehrt ihn die Zerbrechlichkeit des Daseins. Viele Jahrzehnte später lebt sein Sohn Jack ein zurückgezogenes Leben im alten Cottage der Familie. All seine Gefühle wandern in die Country-Songs, die er selbst schreibt und die er in einem anderen Leben auf der Bühne gesungen hätte. Bis eines Tages eine Schachtel vor seiner Tür liegt …
Den Textrhythmus von „Der Ozean so wild und weit“ hat man schnell raus: Jedes Kapitel beginnt mit einer Szene von Sonnys Seereise, setzt fort mit Jacks unterwältigender Gegenwart der 2020er und endet mit (wohl von Tallack, schließlich ist er auch Singer-Songwriter) handschriftlich verfassten Liedtexten. Gerade dieses gezeitenartige, zyklische Schwappen der Dramaturgie macht den Roman im wahrsten Sinne halb gut: Nicht sind, wie bei anderen Büchern, hier und da versprengte Passagen gelungen, die sich insgesamt etwa auf die Hälfte des Textes summieren. Vielmehr ist ein klarer Spannungsabfall zu verzeichnen, wann immer die Handlung ins Jetzt springt, zu Jack. Ob das zwecks Figurenzeichnung so beabsichtigt ist oder ein Missgriff der, wie vermutet werden kann, jeweils für eine Perspektive zuständigen Übersetzer, bleibt eine müßige Frage. Viel wichtiger, welche:r Lektor:in hat bitte diese in ihrer Allgemeinheit ebenso gültige wie banale Message durchgewunken: Dass Musik (als Konzept wie als Kulturtechnik) das Potenzial hat, die Seele zu heilen, die Lebenden mit den Toten und vielleicht sogar – lassen Sie mich ausreden! – verschiedene Generationen miteinander zu versöhnen. Es ist eine Pointe, speckiger als mancher Wal.
Immerhin: Man kann Tallack nicht vorwerfen, Jacks Country-Leidenschaft nur anhand von Top Tens der jeweils referenzierten Country-Künstler:innen darzustellen. Der Autor kennt sich mit dem christlichen Fundamentalismus der Louvin Brothers ebensogut aus wie mit Connie Smiths stilistischer Parton-Trittbrettfahrerei – und wirkt insofern über weite Strecken als Musikhistoriker fähiger denn als Schriftsteller.
Hat es Malachy Tallack mit „Der Ozean so wild und weit“ auf unsere Liste der besten Bücher im Juli 2026 geschafft?
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