„Hier ist der Beginn und das Ende ist dort“ von Jean-Philippe Kindler
Der Satiriker, Sachbuchautor und Berater von Die Linke Jean-Philippe Kindler hat mit „Hier ist der Beginn und das Ende ist dort“ einen Roman geschrieben – und der ist natürlich zwangsläufig voll politischer Gegenwart.
„Hier ist der Beginn und das Ende ist dort“ von Jean-Philippe Kindler ist unsere Buchempfehlung der Woche.
Wenn der Satiriker, Sachbuchautor und Berater von Die Linke einen Roman schreibt, ist dieser zwangsläufig voll politischer Gegenwart. Dabei flieht Jean-Philippe Kindler mit seinem Debüt „Hier ist der Beginn und das Ende ist dort“ doch eigentlich aus der Politik, um im Wir anzukommen. Zunächst wagt er den als unmöglich verschrienen Blick in die nahe Zukunft: Es ist 2029, eine vorgezogene Bundestagswahl steht an, die politischen Lager sind kompromissunfähiger denn je und rechte Milizen ziehen marodierend durch die Straßen.
Soweit, so denkbar. Und so ringt einem dieser Zustand angesichts unserer Gegenwart kaum mehr als ein Achselzucken ab. Ähnlich geht es den beiden Protagonist:innen Jonas und Estelle, die starr vor emotionaler Kälte in ihren Welten festhängen. Drei Tage vor der Bundestagswahl stirbt Jonas’ Vater. Seine leise Hoffnung: In der Trauer zu sich und seiner Affäre Estelle zu finden. Diese ist wiederum mit dem Team der Spitzenkandidatin im Wahlkampf. Kindler überführt das Schweigen zwischen den beiden in mitunter kindliche Sprache, bahnt sich den Weg in die Traurigkeit und fällt schließlich das unzynische Urteil: Scheiß auf Realpolitik. Das ist grandios und gleichwohl der beste Weg, um der politischen Ohnmacht zu entkommen.
Mit „Hier ist der Beginn und das Ende ist dort“ hat es Jean-Philippe Kindler auf unsere Liste der besten Bücher im Juli 2026 geschafft