Zum Inhalt springen

„Diamanten“ von David Vajda

DavidVajda.jpg
(Foto: Christian Werner)

Wenn sich in dem Debütroman „Diamanten“ von David Vajda die Figuren in Dialogen verheddern, dann nur, um nicht über den Tod reden zu müssen.

„Diamanten“ von David Vajda ist unsere Buchempfehlung der Woche.

Manch ein Familienroman gönnt sich Hunderte Seiten, bis die Figuren einmal angemessen durchpsychologisiert und ihre Traumata erschöpfend kartografiert sind. Und dann kann er endlich losgehen, der wilde Ritt durch die Dysfunktionalität. In seinem Debütroman „Diamanten“ verzichtet David Vajda auf solch erwartbare Exposition. Gerade einmal 176 Seiten braucht der deutsch-österreichische Autor und Filmregisseur, um das tragik-komische Erbe einer über ganz Europa verstreuten ex-jugoslawischen Bohemefamilie einzufangen. Wo sich Knappheit vermuten ließe, sind es eher verdichtete Beobachtungen des Ich-Erzählers, der gemeinsam mit seinen drei Geschwistern Ada, Benny und Blondie sowie seinem Vater die Kernfamilie bildet, um die sich exaltiert-esoterische Tanten und gefühlsferne Onkels herumarrangieren. Alle sind sie händeringend damit beschäftigt, sich an der eigens behaupteten Intellektualität festzuklammern und mit Gesprächen über Filme von John Cassavetes und den großen Aschenbecher namens Berlin dem auszuweichen, worum es eigentlich geht: den Tod.

So lakonisch-lustig dieser Familienroman von ambitionierten Künstler:innen auf Abwegen und von der ex-jugoslawischen Diaspora erzählt, blickt er eben auch in die Vergangenheit – auf die letzten Jahre der sterbenden Mutter. Und anders als der oft so sarkastische Ton dieses Buches, ist das von einem gefräßigen Hirntumor hinterlassene Leid bitterer Ernst. Die Unfähigkeit, der eigenen Trauer Sprache folgen zu lassen, lässt die vor Nebensächlichkeiten strotzenden und doch tief melancholischen Dialoge nur umso herausragender wirken. Wie der Ich-Erzähler kommt auch Vajda selbst aus einer Familie Filmschaffender, was die Handschrift dieses so szenischen Romans prägt. Mitunter lässt er uns sogar durch die Linse eines Camcorders blicken und darüber vergessen, dass wir bloß Buchstaben auf Papier lesen. Vajda erzählt nicht, er inszeniert. Und zwar eine Familie, die sich – wie jede anständige Familie – ständig als Familie zu inszenieren versucht.

Mit „Diamanten“ hat es David Vajda auf unsere Liste der besten Bücher im Mai 2026 geschafft.

Beitrag teilen:
kulturnews.de
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.