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Die beste Musik 2022: Diese 15 Alben haben das Jahr bestimmt

Die besten Alben des Jahres 2022
kulturnews verrät euch die besten Alben des Jahres 2022.

Wir haben für euch die beste Musik 2022 gesammelt! 15 grandiose Alben: mit Kendrick Lamar, Big Thief, Die Nerven, Björk und mehr.

Die kulturnews-Musikredaktion hat die besten Alben des Jahres gesammelt. Von TripHop über Yachtrock, Punk und Rap bis zu Eurodance – bunter könnte die Mischung kaum sein. Und neben einigen altbekannten, großen Namen, halten wir auch ein paar Geheimtipps bereit …

„Dragon new warm Mountain I believe in you“ von Big Thief

Alles, was Adrianne Lenker anfasst, wird sowieso zu Gold, aber auf diesem Album ist mehr denn je sichtbar, dass Big Thief eine Band im engsten Sinne sind. „Dragon new warm Mountain I believe in you“ erweitert die Palette um Fiddle-Country und TripHop und klingt dabei nie lächerlich. Es ist Big Thiefs „White Album“: lang, uneben, mit vielen Experimenten – und ein Meisterwerk. (mj)

„Mr. Morale & The big Steppers“ von Kendrick Lamar

Die großen Banger fehlen, die großen Predigten auch. Dafür geht Kendrick weiter als alle Kollegen, indem er über sexuellen Missbrauch oder die Beziehung zwischen Transphobie und Rassismus rappt. Heute mögen sich zwar mehr und mehr Mainstream-Rapper mit psychischer Gesundheit befassen, aber niemand steigt so tief hinab in die düsteren Tiefen der Community. Ich bin sicher: In ein paar Jahren wird dieses Album als ebenso revolutionär gelten wie „To pimp a Butterfly“. (mj)

„Louie“ von Kenny Beats

Ein nettes, harmloses Album mit tragischem Hintergrund: Kenny Beats hat es nach der Krebsdiagnose seines Vaters aufgenommen. Das Resultat sind warme Beats mit melancholischer Note. Egal, ob ich in Dilla-Nostalgie schweifen oder über Sterblichkeit nachdenken will, dieses Album passt in alle Situationen. Es klingt so simpel oder so komplex, wie es der Moment verlangt. (mj)

„Fossora“ von Björk

Ich habe gehadert, ob ich dieses Album in die Liste aufnehmen will, weil viele Songs doch eher sperrig sind und ich es gar nicht so viel gehört habe – und ich immer noch früheren Meisterwerken nachtrauere. Andererseits: Wer liefert denn heute noch Alben im engeren Sinn ab, die thematisch und klanglich ein zutiefst originelles, zugleich persönliches Konzept verfolgen? Niemand eigentlich – außer Björk natürlich. Und das allein macht „Fossora“ zu einem der besten Alben des Jahres. Plus die Bassklarinetten. (mj)

„Die Cuts/City Planning“ von Mount Kimbie

Es fühlt sich fast wie Schummeln an, dieses Album aufzunehmen, weil es eigentlich zwei Alben sind. Dass beide auch noch sehr gut sind, hilft natürlich. Die fragmentierte, soulige HipHop auf Dom Makers Hälfte wird von Kai Campos‘ zerebralem Techno aufgefangen. Im Gegensatz zu Björks idealem Album steht hier das Anti-Album – und birgt seine ganz eigene Faszination. (mj)

„And in the Darkness, Hearts aglow“ von Weyes Blood

Während beim Vorgänger „Titanic rising“ aus dem Jahr 2019 der Untergang noch kurz bevorstand, ist Natalie Mering alias Weyes Blood mit ihrem fünften Album „And in the Darkness, Hearts aglow“ voll auf der Höhe unserer Gegenwart: globale Krisen, Individualismus und diese postpandemische Einsamkeit, aus der auch Mering keinen Ausweg findet. Doch ihre Songs zwischen außerweltlichem Folk und orchestralem Kammerpop helfen, das alles irgendwie auszuhalten. (cs)

„Ugly Season“ von Perfume Genius

„Ugly Season“ ist kein gewöhnliches Perfume-Genius-Album – und doch ergibt es sich ganz folgerichtig aus den bisherigen Veröffentlichungen des queeren Ausnahmemusikers: Mike Hadreas treibt seine Identitätssuche voran, indem er sich Räume öffnet, in denen er sich beim Kampf mit traumatischen Erlebnissen ausprobieren und verlieren kann. Selbst ganz ätherischen Stücken schiebt er noch kleine, wunderbare Melodien unter, die als Haltegriffe dienen. „Harvest the pit and spit out the rest to shoulder our pain“, singt Hadreas in „Pop Song“, dem schönsten Stück dieses kathartischen Grenzgangs. (cs)

„Wir sind schön“ von Jens Friebe

Ausgerechnet Jens Friebe veröffentlicht 2022 mit „Wir sind schön“ ein anti-nihilistisches Album!! Nehmen wir nur das Titelstück: „Das Jahrtausend war ein langer böser Streich/Wir haben uns angeguckt und wussten sofort: So, jetzt reicht’s“, heißt es da in der Mitsinghymne. Aber dann eben auch: „Wir verbinden alle Wunden/Und wir trocknen alle Tränen/Für die Blinden sind wir Hunde/Wir sind schön.“ Hach, ja, nehmen wir also die rostigen Säbel von den Wänden. (cs)

„Spark“ von Whitney

Hat hier jemand langweilig gesagt? Whitney öffnen sich mit dem dritten Album dem Pop: Die opulent produzierte Platte klingt heller und eleganter, oft übernehmen Klavier und Synthesizer die Führung, und der prägende Falsettgesang von Ehrlich ist zwar noch da, wird aber zugleich sparsamer und effektiver eingesetzt. Am Radikalsten ist die Weiterentwicklung beim Albumhöhepunkt „Self“: Unterstützt von einem Saxofon pendelt der Song zwischen Jazz und R’n’B, um mit dem einsetzenden Gesang schließlich beim Boybandsound der Jahrtausendwende anzukommen. (cs)

Die Nerven“ von Die Nerven

Ganz am Anfang singt Max Rieger so: „Und ich dachte irgendwie, in Europa stirbt man nie.“ Und gleich darauf dann Julian Knoth in „Ich sterbe jeden Tag in Deutschland“: „Muss manchmal frieren in diesem Land.“ Natürlich rechtfertigt schon die visionäre Kraft dieser bereits im Jahr 2019 geschriebenen Texte die Entscheidung von Die Nerven, das fünfte Album einfach mit dem eigenen Bandnamen zu betiteln. Doch auch auf musikalischer Ebene muss bei dem Trio nun nicht mehr über die Popmomente im Punk diskutiert werden. Die beste Band dieses Landes veröffentlicht mit ihrem Meisterwerk ein ganzheitliches Statement. Oder wie es Max Rieger mit den Referenzpunkten ausdrückt: Rammstein, Godspeed You! Black Emperor und Wagner. (cs)

„Mann beisst Hund“ von OG Keemo

So, backen wir doch mal direkt den ganz großen Stollen: Mit „Mann beisst Hund“ hat OG Keemo dieses Jahr das beste deutsche Rapalbum aller Zeiten veröffentlicht. Karim Joel Martin nimmt die Hörer:innen mit in seine Vergangenheit in der Hochhaussiedlung. Immer dabei die halbfiktiven Charaktere Yasha und Malik. Was wie ein Hood-Streifen anfängt, entpuppt sich schnell als ein facettenreiches Drama à la „La Haine“: Keemo berichtet von vertanen Chancen, Depression, Suizidgedanken und dem schlechten Gewissen, dass er es als einer der Wenigen rausgeschafft hat und jetzt mit vertonten Retrospektiven sein Geld verdient. Die detailverliebte Zusammenarbeit mit seinem Produzenten Funkvater Frank bettet die klugen Lyrics in einzigartige Beats zwischen 70er-Jahre-Soul und 2020er-Trap. (fe)

„This is what we do“ von Leftfield

Eigentlich bin ich kein großer Punkfan – und natürlich ist „This is what we do“ auch kein Punkalbum – aber das Widerständige, Radikale und Energetische, das diesem Album innewohnt, macht solche Assoziationen unvermeidbar: Hier trifft eine punkige Attitüde auf dreckigen Rave („Accumulator“), technoide Breakbeats („Pulse“), trampelnde Synthies („City of Synths“), gepitchte Selecta-Gesänge („Rapture 17“) und sogar Dudelsäcke („Heart and Soul“). Inmitten dieser wilden Mischung tauchen dann auch noch kämpferische Gastbeiträge von Fontaines D.C.-Sänger Grian Chatten und dem britischen Autor Lemn Sissay auf. Wenn Punk immer so klingen würde, wäre ich dabei! (fe)

 „Gelb ist das Feld“ von Bilderbuch

Niemand huldigt dem Kitsch so unkitschig wie Bilderbuch. Vielleicht ist „Gelb ist das Feld“ nicht das beste Album der Wiener, aber immer noch gut genug, um in dieser Liste bestehen zu können. Auf dem siebten Album hat sich die Band etwas von dem funkigen, elektronischen Einschlag in ihrem bouncenden Rock verabschiedet und sich dem Yachtrock zugewandt. Kitschiger geht’s nun wirklich nicht – und das steht den vier Österreichern schließlich richtig gut. Inhaltlich plätschert es zwischen kurzen Klimakrisenandeutungen und Sexvergleichen, doch spätestens beim Titelsong wird der Schimmel gesattelt und beim Ausritt durch Rapsfeld laut mitgesungen. (fe)

„Melt my Eyez see your Future“ von Denzel Curry

Denzel Curry hat dieses Jahr gleich zwei Alben veröffentlicht. Da sollte zumindest eines der beiden kurz Erwähnung finden, oder? Und da Kenny Beats, sein Kollabo-Partner auf „Unlocked“, bereits seinen Platz gefunden hat, wähle ich „Melt my Eyez see your Future“. Auch mit seinem vierten Studioalbum beweist Denzel Curry erneut, warum er unwiderruflich zu den besten Rappern Amerikas gehört. Er kann einfach alles: Unprätentiös artifizieller Rap trifft auf schwindelerregende Beats, die schneller die Richtung wechseln als Olaf Scholz in Fragen der Waffenlieferung, und zwischendrin verstecken sich absolute Hits wie „Walkin“ oder „The Last“. (fe)

„Gift EP“ von DJ Heartstring

Okay, jetzt muss ich ein bisschen schummeln. Doch als Abschluss dieser Liste muss – Achtung, meine Damen und Herren – ein bisschen Eurodance gefeiert werden. Ein Genre, das zu Unrecht als das musikgewordenene Ende der Geschichte gescholten wird. Ständig musste sich die hedonistische Feiergemeinde den Vorwurf der zunehmenden Depolitisierung gefallen lassen. Dabei lässt sich doch gerade auf der Tanzfläche so viel Gemeinschaftliches und Politisches erfahren. Wie auch immer: DJ Heartstring haben dieses Jahr nicht nur den besten Auftritt des Melt-Festivals hingelegt, sondern mit drei EPs den Eurodance zurückgebracht – eine davon die „Gift EP“. Von den zwei Berlinern werden wir noch hören … (fe)