Gemalte Feuer von EVA HEGGE
Während sich die Protagonistin in dem Debüt Gemalte Feuer von Eva Hegge nach einer Schwangerschaft sehnt, warten die Lesenden auf eine Handlung.

Wie sieht ein Leben mit unerfülltem Kinderwunsch aus? Eva Hegge thematisiert in ihrem Debüt „Gemalte Feuer“ diesen gesellschaftlich oft noch tabuisierten Schmerz. Umso wichtiger, davon zu erzählen. Dramaturgisch lässt der Roman jedoch einiges zu wünschen übrig: Er erzählt von einer Mitte dreißigjährigen Literaturwissenschaftlerin, die ihrem geregelten, sehr ereignislosen Alltag als Verkäuferin in einem Möbelgeschäft nachgeht.
Die sehr reduzierte Handlung ist gespickt mit banalen Details und alltäglichen Beobachtungen: Staubsaugen, lange Weg- und Personenbeschreibungen, die das Leseerlebnis eher aufhalten, als es mit Lebendigkeit zu bereichern. Zusätzlich vertieft sich die namenlose Protagonistin in ägyptische Mythen. Diese sollen dem Roman Vielschichtigkeit verleihen, wirken jedoch eher pseudophilosophisch. Auch lädt die Autorin wiederholt augenscheinlich bedeutungslose Begegnungen mit fremden Personen mit einer geheimnisvollen Stimmung auf, lässt die angerissenen Handlungsstränge jedoch ins Leere laufen. Dadurch setzt zunehmend das Gefühl ein, es werde nur so getan, als läge eine tiefere Bedeutung dahinter.
Woher kommt der so sehnsüchtige Wunsch nach einem Kind?
Die Nachricht von der Schwangerschaft der besten Freundin, vergrößert ihr Gefühl der Ungerechtigkeit. Schließlich entscheidet sie sich für eine künstliche Befruchtung. Jedoch wird auch dann nicht wirklich greifbar, woher der so sehnsüchtige Wunsch nach einem Kind kommt. Stattdessen begleitet Hegge ihre Protagonistin dabei, wie sie sich über Jahre fast wie betäubt in einen „Schatten“ einlullt und aufgrund ihrer selbsteingestandenen „Faulheit“ unter ihren Möglichkeiten lebt. Die Lektüre fühlt sich an wie ein Warten auf eine Handlung – man wartet darauf, dass die Protagonistin mehr Selbstwirksamkeit erreicht. Der sich im Kreis drehende Hyperfokus auf die Leerstelle der nicht einsetzenden Schwangerschaft wirkt frustrierend für die Lesenden. Oder soll genau das die gewollte Qualität des Romans sein?
Momente, in denen die matte Handlung kurz aufleuchtet
Sprachlich entsteht ein interessantes Spannungsfeld: Der nüchterne, fast protokollartige Erzählstil wird immer wieder von sehr sprachgewandten, poetischen Einschüben durchbrochen. Etwa die Beschreibung ihres Spiegelbilds: „Die Augen, die mich anblickten, schienen nur zufällig an diesem Ort zu sein, wie zwei Fische, die gerade vorbeischwammen und ihre Beobachterin ängstlich beäugten.“ Sätze wie diese lassen die sonst sehr matte Handlung immer wieder kurz aufleuchten.
Zum Schluss bekommt der Roman aber leider auch noch einen kitschigen Beigeschmack, da die Protagonistin plötzlich im Reinen mit ihrer Kinderlosigkeit zu sein scheint. Sie beginnt, ihr Glück woanders zu suchen.
Hat es Eva Hegge mit „Gemalte Feuer“ auf unsere Liste der besten Bücher im September 2026 geschafft?
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