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„Konstellationen“ von Elisa Faison

Portraitfoto Elisa Faison, die mit „Konstellationen“ ihren Debütroman veröffentlicht
(Foto: Tammy Lamoureux)

Mit „Konstellationen“ legt Elisa Faison das Porträt einer Generation vor, die gegen erlernte Verklemmtheit ankämpft.

„Konstellationen“ von Elisa Faison ist unsere Buchempfehlung der Woche
In Elisa Faisons Debütroman öffnen unter anderem Ben und Frances ihre Ehe – bevor sie ein Kind bekommen und bürgerlich werden. Das jedenfalls ist der Gedanke. Doch die Erschütterungen, die diese Entscheidung auslöst, treffen beide mit Wucht und vollkommen unvorbereitet … Das Ungesagte und Ungefragte zwischen zwei amerikanischen Millenials, die um Corona herum 30 geworden sind, böte allein genug Stoff, um zu fragen: Quo vadis globaler Norden? Also so moralisch. Faison geht allerdings noch einen Schritt weiter und spinnt aus rund zehn Figurenperspektiven ein dichtes, zutiefst empathisches Netz aus Sexualität, Eifersucht, Verrat, Verlangen und Besessenheit. Immer wieder findet sie dabei auch den Witz im Allzumenschlichen: In der Besorgtheit um das vom jeweiligen Freundeskreis erwünschte Maß an Wokeness etwa, wo Geschlechternormen einerseits ein überholtes Dispositiv, andererseits ein heimeliges Guilty Pleasure darstellen. Oder in den Luxusängsten, wie sie nur Menschen entwickeln, die chronisch online sind. So entsteht das Porträt einer gegen erlernte Verklemmtheit ankämpfenden Generation, die man am liebsten kollektiv umarmen und ihr zuflüstern will: Habt keine Angst, ihr macht das wunderbar!
Tempo und Mühelosigkeit, mit denen Faison die Erzählebenen und -stimmen wechselt, suchen ihresgleichen –sorgen allerdings auch dafür, dass jeder Kapitelanfang erstmal einem Stoß ins kalte Wasser gleicht, was sich wiederum negativ auf die Figurensympathie auswirkt. So mögen Ben und Frances das Epizentrum der Handlung darstellen, mit dem man bangt, sich identifiziert, auf die man sich freut, wenn sie wieder am Zug sind. Das Schicksal der Großmutter oder der Schwester des Partners von Bens bestem Freund lenken dagegen eher ab, so authentizitätssteigernd sie auch sind. Auch Faisons Entscheidung, sexuelle Selbstverwirklichung einmal mehr als logische Reaktion auf Trauma und Verlust darzustellen, damit zu pathologisieren und ihr den Selbstzweck zu nehmen, sorgt für ein paar Fragezeichen. Das bleiben aber bloß Mäkeleien auf sehr hohem Niveau. Oder: zwei Wermutstropfen in einem ansonsten ausgezeichneten Frühjahrsdrink.
Mit „Konstellationen“ hat es Elisa Faison auf unsere Liste der besten Bücher im Juni 2026 geschafft.
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