Modeselektor: Chaos-Choreografien
Modeselektor sind so produktiv wie nie zuvor. Parallel zum neuen Album „EXTLP“ denkt Gernot Bronsert sogar schon darüber nach, wie sie ihr Radau-Image auch im fortgeschrittenen Alter noch pflegen können.

Gernot, im April ein Modeselektor-Mixtape mit 27 neuen Stücken in 66 Minuten, dann drei EPs und jetzt ein neues Album, für das ihr die Tracks vom Mixtape zu abendfüllenden Versionen ausgebaut habt. Die momentane Kreativität von Modeselektor ist ja fast schon beängstigend.
Gernot Bronsert: Tja, das passiert, wenn man nicht auf Tour gehen kann. Wir haben uns im Studio eingeigelt und die Zeit sinnvoll genutzt. Das war eine Konstante, mit der wir im Flow bleiben konnten.
Ihr hättet aber auch einfach mal euer Studio aufräumen können.
Bronsert: Dazu brauchen wir keine Pandemie, denn das Aufräumen ist bei uns zur Prokastination generell sehr beliebt. Wir haben jetzt sogar Remixe für Moby, Grimes und Get Well Soon gemacht – obwohl unser letzter Remix schon zehn Jahre zurückliegt, und wir die Arbeit für Trentemøller damals „Modeselektor’s Last Remix Ever“ genannt haben. Und ein neues Moderat-Album ist auch schon so gut wie fertig.
„EXTLP“ ist wahnsinnig divers und bildet wie kein Album zuvor eure komplette Bandbreite ab. Aber ist ein Popsong wie die Catnapp-Kollabo „Dating is in China“ überhaupt noch Modeselektor?
Bronsert: Was ist Modeselektor? Wir waren schon immer zwischen den Stühlen. Klar, ein bisschen haben wir dieses Radaubrüder-Image, aber es gibt von dem Track ja auch noch eine Speed Dating Version. Und selbst wenn viele Modeselektor-Fans einen Song wie „Dating is in China“ zunächst nicht schnallen: Dieses weirde Dagegen gehört schon immer auch zu unserem Weg. Es kann doch auch sehr inspirierend sein, wenn man manche Sachen einfach passieren lässt und sie auch nicht erklärt.
Wird es nach all den erfolgreichen Jahren nicht immer schwieriger, überhaupt noch neue Herausforderungen zu finden?
Bronsert: Nee, denn es gibt ja so viele unterschiedliche Felder. Im Prinzip haben wir uns ja immer nur auf den Klub konzentriert – und Berufsjugendliche wollen wir natürlich auch nicht sein. Im Zuge des Mixtapes haben wir dieses „Work“-Video mit Corey Scott-Gilbert gemacht, einem Tänzer aus New York. Da haben sich Türen aufgetan, auch mit anderen Choreografen, Dramaturgen und Intendanten zu arbeiten. In der Zwangspause haben wir gelernt, dass man nicht auf Tour gehen muss, um Musik machen zu können. Mit dieser Vorstellung haben wir bislang gelebt – aber das hat sich jetzt revidiert.
Musik


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