Ochsenkopf von Manik Sakar
Der Protagonist aus „Ochsenkopf“ von Manik Sarkar ist ein Wurstästhet, ein Fleischwolffeingeist, ein Künstler am Seziermesser.

Blutverschmierte Schürzen, grobschlächtige Männer, triefende Gedärme: Metzgereien wecken nicht gerade anmutigste Assoziationen — oder? Manik Sarkars Debütroman „Ochsenkopf“ wagt eine Irritation dieser Klischees. Auf nicht einmal 180 Seiten erzählt dieser von Rensing, einem Metzgersohn, der in den 60er-Jahren in einem niederländischen Dorf aufwächst und bald schon den Betrieb seines Vaters übernimmt.
Rensing ist ein Sonderling, schenkt er doch den anderen Kindern Linsen von Rinderaugen. Seine sonderbare Art erinnert allerdings weniger an die eines Psychopathen als an die eines Genies der romantischen Literatur. Er ist ein Wurstästhet, ein Fleischwolffeingeist, ein Künstler am Seziermesser. Seine Hingabe und die so feine Sprache Sakars verwandeln die eigentlich so brutale Angelegenheit in einen sinnlichen und gleichwohl grotesken Reigen, es fehlt nur das Streicherquartett. Wie es sich für einen anständigen romantischen Roman gehört, ist das Scheitern des Genies aber bereits im Eifer angelegt. Als der erste Supermarkt im Dorf aufmacht, sieht sich Rensings Exzellenz durch Schnäppchen bedroht. Da helfen auch keine waghalsigen Versuche wie etwa ein Fleischerei-Drive-in, und schließlich müssen sich Tierwohl und Moral dem Spätkapitalismus geschlagen geben.
„Die Kuh beobachtete die beiden Männer. Sie sah, wie der eine sich weiße Gummistiefel anzog und das Bolzenschussgerät aus dem Regal holte, und sie spürte die beruhigende Hand des anderen auf ihrem Maul. Sie gingen um sie herum, die Männer, bemühten sich, sie nicht direkt anzusehen. Einer fing an zu pfeifen.“
Mit „Ochsenkopf“ hat es Manik Sarkar auf unsere Liste der besten Bücher im September 2026 geschafft.
Literatur


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