„What are the Odds“ von Jorja Smith: La-La-leider zu Mainstream
Die Künstlerin spielt mit animierenden vielseitigen Klubsounds. Jedoch verliert das Album am Schluss an Charakter.
Eine Jorja-Smith-Show gliedert sich in zwei Hälften. Zunächst der zugeknöpfte Teil, dann wird’s zackig. „What are the Odds“, das dritte Album der Londonerin, ist zweifellos Sound für den zweiten Teil. Wie so viele Kolleginnen vor ihr lehnt sich nun auch Smith in den Klubsound. UK-Garage, 2Step, Afrobeats, Grime, House: das Beste, was die Nächte der englischen Hauptstadt zu bieten haben – inklusive Düsternis. So beginnt das Album mit dem dräuenden „For Life“ und der Hilflosigkeit einer Co-Abhängigkeit.
Darauf folgen eine Reflexion über das Leben im Rampenlicht („What are the Odds“), bei dem Smith sogar einen Rappart gibt, und ein energischer Schlussstrich-Breakupsong („What’s done is done“). Die neugewonnene Aggressivität steht Smith gut, wird allerdings später von Dance-Klischees, belanglosen Lovegames und UK-Wobbelbässen glattgebügelt. Das führt dann zu Zeilen wie „The music feels like/La La La La“ und der dazugehörige Song heißt auch noch „Dancing“. Hätte der Sound wenigstens etwas von der Soundcloud-Patina abbekommen, mit der Smith einst ins Game krachte. Einen Anlass dazu hätte es gegeben, immerhin feiert „Blue Lights“ doch Zehnjähriges.