„On the Ruins“ von Wir Hatten Was Mit Björn: So facettenreich wie guter Sex
Wir Hatten Was Mit Björn überzeugen auf „On the Ruins“ vor allem immer dann, wenn sie sich vom skandinavischen Vocaljazz entfernen.

Wir Hatten Was Mit Björn: Wenn die sexuellen Abenteuer mit Björn genauso facettenreich sind wie der Sound auf „On the Ruins“ – herzlichen Glückwunsch! Maika Küster und Maria Trautmann mögen die Routinen des Jazz beherrschen, probieren sich aber auch gerne an Elektrospielereien, pulsierendem Neo-Soul und Blues-Verwandtschaften aus. Dabei stehen Küsters Sopran und ein Kontrabass beinahe mehr im Mittelpunkt als Trautmanns Posaune, die mal durchdringend, mal dunstig aus dem Hintergrund tönt, während das Duo mit Hilfe von Caris Hermes und Manuel Loos eine überraschend breite Soundpalette erzeugt.
Das erinnert nicht nur beim beschwörenden Zwiegesang von „Ruins“ an die Kraft des Geschwisterduos Ibeyi, sondern auch immer wieder an die experimentellen Komplexitäten diverser Notwist-Nebenprojekte. Schade nur, dass nach dem großartigen Eröffnungstrack „River“, der mitten im Song vom lieblichen Folkjazz zum nocturnen Berghainsound wechselt, und dem Spoken-Word-Groove von „In the Name of“ die zweite Hälfte der Platte immer konventioneller Richtung skandinavischen Vocaljazz tendiert – ein Eindruck, der nur noch von den gesprochenen Sätzen im finalen „I’ll be seeing you“ durchbrochen wird. Hier spielt eine verwaschene Alltagshose mit geflicktem Schritt eine Rolle. Ob die wohl Björn gehört?
Musik


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