„Wir Töchter“ von Oliwia Hälterlein
Oliwia Hälterlein fiktionalisiert in ihrem Debüt die eigene Familiengeschichte, doch ist „Wir Töchter“ radikaler als die Werke vieler Kolleg:innen.
Als Ich-Erzählerin Waleria bei einer Operation ein Eierstock entfernt wird, wirft sie das auf ihre Familie zurück. Kinder wollte sie eigentlich nie – aber was macht die mögliche Unfruchtbarkeit mit ihrer Beziehung zu Mama, Oma, Uroma? Von hier entspinnt sich eine Reise durch die Zeit und die Figuren, die bis nach Polen im Zweiten Weltkrieg zurückführt. Ihre Großmutter Marianna, deren Leben erst von Vater und Bruder, dann Mann und Schwiegermutter bestimmt wird. Ihre Mutter Róża, die erst das Heimatdorf gegen Gdańsk und dann Polen gegen Deutschland tauscht. Und schließlich Waleria selbst, die es besser haben sollte, sich als Jugendliche aber vor allem auf die Sommerurlaube bei Marianna freut.
Oliwia Hälterlein fiktionalisiert in ihrem Debütroman die eigene Familiengeschichte und passt damit durchaus in aktuelle Trends. Doch „Wir Töchter“ ist radikaler als die Werke vieler Kolleg:innen – nicht nur in der unbedingt feministischen Haltung, sondern auch im Umgang mit der polnischen Sprache, die Hälterlein vom ersten Satz an immer wieder ins Zentrum stellt.
Mit „Wir Töchter“ hat es Oliwia Hälterlein auf unsere Liste der besten Bücher im Juni 2026 geschafft.
Wer sich für „Wir Töchter“ von Oliwia Hälterlein interessiert, sollte auch unsere Besprechung von Miriam Carbes Roman „Unerwünschte Töchter“ lesen