Frankie und Freddie von SVEN REGENER
Nie zuvor hatten wir Sven Regeners trockenen Humor nötiger – und ein wichtiges Puzzleteil fehlt ja auch noch in der Reihe um Herrn Lehmann.

„Frankie und Freddie“ ist unsere Buchempfehlung der Woche
Sven Regener liebt es, in der Zeit zu springen, und da ist zunächst eine kurze Orientierungshilfe ja vielleicht gar nicht schlecht: Während es die eng um Frank Lehmann kreisende Serie auf noch überschaubare drei Romane bringt, sind es für das erweiterte Figurenensemble dann schon satte sechs. Der neue Regener schließt nun aber direkt an den Wehrdienstroman „Neue Vahr Süd“ und „Der kleine Bruder“ an, der Frank Lehrmanns Ankunft in Kreuzberg thematisiert und vom 12. bis 14. November des Jahres 1980 spielt. In „Frankie und Freddie“ schreiben wir den 23. Dezember 1980, und einen Tag vor Weihnachten darf Frank seinen großen Bruder da abholen, wo er ihn im Vorgänger aufgespürt hat.
Im extrem heftigen Schneetreiben geht es für Frank auf den Ku’damm, wo der in Berlin von Manni zu Freddie gereifte Bruder in einem Probandenhotel an einer Studie für Antidepressiva teilgenommen hat. Doch selbstsicher ist der jetzt gar nicht mehr: Frankie hat plötzlich Angst vor Menschen, sodass er es nicht mehr erträgt, mit der U-Bahn zu fahren. Und die Zusammenkunft der beiden ist auch nur für wenige Tage geplant, denn Freddie will für ein Kunststipendium direkt weiter nach New York. Dumm nur, dass seine Reistasche mit den Tickets und wichtigen Unterlagen abhanden gekommen ist und im Schneemobil von Karl Schmidt irgendwo durch Schöneberg fährt …
Mit „Frankie und Freddie“ schlägt Sven Regener immer wieder Brücken von den 80ern in unser bedrückendes Jetzt
Ganz eigentlich ist „Frankie und Freddie“ ein zärtliches, aber auch durch und durch melancholisches Psychogramm einer Brüderbeziehung. Wenn Regener seine Helden auf eine Odyssee durch die geteilte Stadt im winterlichen Ausnahmezustand schickt und im Vorbeigehen auch noch Themen wie erstes Verliebtsein und den antikapitalistischen Kampf streift, schlägt er immer wieder Brücken von den 80ern in unser bedrückendes Jetzt. Nur fällt das eben dank des Regener-Sounds nicht runterziehend, sondern extrem unterhaltsam aus. Und selbst eine mögliche Verfilmung müssen wir ganz und gar nicht fürchten, mimt den noch so jungen Frank doch Frederick Lau – und nicht Christian Ulmen.
Mit „Frankie und Freddie“ hat es Sven Regener auf unsere Liste der besten Bücher im September 2026 geschafft

Literatur


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